Die Kontroversen um feministische Politik fallen nicht vom Himmel. Sie folgen einer Phase, in der neue Strömungen an Einfluss gewannen: intersektionale Perspektiven, queerfeministische Ansätze und der Anspruch auf einen »Feminismus für alle« – mit entsprechenden sprach- und diversitätspolitischen Praxen. Durch sie veränderten sich Begriffe, Adressaten und Prioritäten des Feminismus drastisch. Insbesondere dadurch, dass Geschlecht zunehmend als offene Kategorie verstanden wird, verschiebt sich der Fokus von materiellen Gleichstellungsfragen hin zu symbolischen Kämpfen um identitäre Anerkennung. Das führt nicht nur zu kulturellen Konflikten nach Innen und nach Außen, es werden dadurch auch tradierte Interessenvertretungen von Frauen infrage gestellt, da ihre Anliegen an Schärfe verlieren.
Eine schonungslose Schadensbilanz der queerpolitischen Einflüsse im Feminismus ist gefragt. Wie genau geriet die Frauenbewegung in diese prekäre Lage, welche Folgen haben welche Einflüsse und was passiert da eigentlich Seltsames, wenn viele Menschen nicht mehr sagen können, was überhaupt eine Frau ist? Damit verbunden ist auch das Problem der gesellschaftspolitischen Konsequenzen: Wie verändern sich die politischen Kräfteverhältnisse durch die queerpolitischen Diskursverschiebungen im linken Lager und was bedeutet das für Durchsetzungsmöglichkeiten von Fraueninteressen? Diesen Fragen geht der dritte Club Volantaire nach, der sich gewohnt kritisch den Irrwegen einer progressiven Politik widmet, die sich immer weiter von den Alltagserfahrungen vieler Menschen entfernt.
Hierüber debattieren die Gäste des Club Volantaire am 29. Mai 2026 in Hamburg.
Der Eintritt kostet 10 Euro. Da die Plätze begrenzt sind, empfiehlt sich eine Voranmeldung per Überweisung einer Spende in Höhe des Eintrittspreises (gerne auch mehr) unter Nennung Ihrer E-Mailadresse.
Zu Gast:

Till Randolf Amelung
Ist freier Journalist mit Schwerpunkt auf geschlechterpolitischen Themen und im Veranstaltungsmanagement für die Gedenkstätte Bergen-Belsen tätig. Er hat Geschlechterforschung und Geschichtswissenschaft an der Georg-August-Universität Göttingen studiert. Seit 2024 ist er im Vorstand der Initiative Queer Nations e.V., seit 2026 gehört er zu den Herausgebern des Jahrbuchs Sexualitäten der IQN. Außerdem ist er Autor von “Transaktivismus gegen Radikalfeminismus. Gedanken zu einer Front im digitalen Kulturkampf” sowie Herausgeber von “Irrwege. Analysen aktueller queerer Politik.”
»Durch die queerpolitischen Versuche einer Umdeutung des biologischen Geschlechts wirken wir Transpersonen jetzt so verpeilt wie Flacherdler. Damit erweist man uns einen Bärendienst!«
Foto: Joanna Nottebrock
Inge Bell
Ist Unternehmerin und Consultant mit Schwerpunkt auf Führung, Fairness und Konflikt sowie Dozentin zu Sexualkriminalität und Opferschutz für die Polizei. Die Kulturwissenschaftlerin, Osteuropa-Historikerin und frühere investigative ARD-Auslandsreporterin arbeitet seit über 20 Jahren zu Menschenhandel und Frauenrechten. Sie war stellvertretende Vorstandsvorsitzende von TERRE DES FEMMES und eine zentrale Stimme im Konflikt um die Aufgabe des Begriffs Frau als geschlechtsbasierte Kategorie. Bell wurde mit dem Bundesverdienstkreuz am Bande und dem Preis „Frau Europas“ ausgezeichnet.
»Wer nicht sagen kann, was eine Frau ist, kann auch keine Frauenrechte verteidigen. Ohne klare Begriffe gibt es keine klaren Rechte – und keinen Schutz.«
Foto: Stefan Baumgarth


Ilse Jacobsen
Geboren in Norddeutschland, ältestes Kind mit einem Bruder und zwei Halbbrüdern. Nach dem Studium der Tiermedizin in Hannover und Pretoria (Südafrika) Promotion in Mikrobiologie in Hannover, anschließend Wissenschaftlerin am Leibniz-HKI (Leibniz-Institut für Naturstoff-Forschung und Infektionsbiologie) in Jena, Habilitation und seit 2014 Professorin für Mikrobielle Immunologie an der Friedrich-Schiller-Universität in Jena.
»Ein Feminismus, der die materielle Grundlage des Frauseins ignoriert, ist kein Feminismus. Frauen waren und sind nicht benachteiligt, weil sie sich als Frau identifizieren, sondern weil nur Frauen Kinder kriegen können.«
Foto: Brigitte Winkelmann
Marie-Luise Vollbrecht
Ist Biologin mit Schwerpunkt Verhaltens- und Neurobiologie und vertritt eine feministische Perspektive in gesellschaftlichen Debatten. 2022 geriet sie in die Schlagzeilen, als ein Vortrag zur Zweigeschlechtlichkeit an der Humboldt-Universität nach Protesten abgesagt und später nachgeholt wurde. Sie veröffentlicht regelmäßig Artikel und kommentiert den Zeitgeist im Netz, Podcasts und anderen Medien.
»Die Verleugnung biologischer Unterschiede im Queerfeminismus macht das politische Subjekt der Frau unsichtbar und negiert die historischen Wurzeln ihrer Unterdrückung.«

Eintritt
10 Euro
Anfahrt
folgt
